Dieselstraße

Dieser Bericht erschien am 2. Oktober 2021 im "Dieburger Anzeiger".


Rudolf DieselRudolf DieselRudolf Diesel wurde am 18. März 1858 in Paris geboren. Wegen des deutsch-französischen Krieges musste die Familie Frankreich verlassen und zog 1870 nach London. Bald danach wurde der zwölfjährige Rudolf zu Verwandten nach Augsburg geschickt, wo er die Gewerbe- und später die Industrieschule mit großem Erfolg besuchte. Sein Studium an der technischen Hochschule in München beendete er 1880 mit dem besten Zeugnis aller bisherigen Studenten.
Einer seiner Professoren, der Erfinder der Kältemaschine Carl von Linde, verschaffte dem jungen Ingenieur eine Stelle in seiner Fabrik. Diesel, der schon von Jugend auf an der Verbesserung von Wärmekraftmaschinen interessiert war, entwickelte Pläne für einen neuartigen Motor. 1893 erhielt Diesel ein Patent auf sein Konzept für eine „Neue, rationelle Wärmekraftmaschine“.
Im gleichen Jahr konnte er bei der Maschinenfabrik Augsburg, der heutigen Firma MAN, den ersten Prototyp bauen lassen. Es gab immer wieder Rückschläge. Der Ottomotor, den Benz, Daimler und Maybach immer wieder verbessert hatten, war schon seit Jahren erfolgreich. Weil der Dieselmotor aber mit Selbstzündung arbeitete, brauchte er einen hohen Kompressionsdruck im Zylinder und einen sehr hohen Einspritzdruck für den Kraftstoff. Die zugehörige Technik war neu und brachte Rückschläge. Auch der richtige Treibstoff musste erst gefunden werden. Aber 1897 funktionierte der Motor endlich. Die etwa 3 m hohe, stehende Einzylinder-Konstruktion mit einem Gewicht von viereinhalb Tonnen lieferte 20 PS. Das Ziel, ein hoher Wirkungsgrad, wurde mit 26 % erreicht. Das war der doppelte Wert, den Dampfmaschinen damals hatten. Heutige Dieselmotoren erreichen sogar 50 Prozent.
Auf der Weltausstellung 1900 in Paris wurde der Dieselmotor mit dem „Grand Prix“ ausgezeichnet und Diesel konnte Lizenzen auf seine Erfindung erteilen. Rudolf wurde wohlhabend und gehörte 1903 zu den Mitbegründern des Deutschen Museums in München. Allerdings zehrten der Bau einer teuren Villa, Spekulationsgeschäfte und Patentstreitigkeiten an Vermögen und Gesundheit.
Die ersten Dieselmotoren wurden auf Schiffen eingesetzt, zuerst auf dem Forschungsschiff „Fram“, mit dem u. a. Amundsen 1910 seine Antarktisreise unternahm. Auch U-Boote und Luftschiffe wurden damit angetrieben. Erst in den zwanziger Jahren fand der Antrieb Verwendung in Last- und Personenwagen. Er war bis dahin einfach zu schwer. Der Mercedes 260 D brachte 1936 den Durchbruch bei den PKW. Mit Leichtbauweise, Turbolader und Rußfilter ist der Diesel heute effizienter und in Verbrauch und CO2-Ausstoß weit günstiger als der Benzinmotor.
Rudolf Diesel konnte den großen Erfolg seines Motors nicht mehr erleben. Am 29. September 1913 begab er sich mit Geschäftsfreunden in Antwerpen an Bord des Postschiffs Dresden, um nach Harwich zu reisen. Doch Rudolf Diesel, inzwischen 55 Jahre alt, kam nie in England an. Er aß mit seinen Freunden abends bei bester Stimmung auf dem Schiff und verabredete sich mit ihnen für den nächsten Morgen. Als er nicht zum Frühstück erschien, durchsuchten seine Freunde seine Kabine und fanden Bett und Gepäck unberührt. Was nachts geschah, bleibt bis heute ein Rätsel.