Carlo-Mierendorff-Straße

Dieser Bericht erschien am 24. September 2021 im "Dieburger Anzeiger".


CarloCarlo MierendorffCarlo Mierendorff wurde am 24. März 1897 als Sohn der Johanna Charlotte und des Textilkaufmanns Georg Carl Ludwig Mierendorff in Großenhain geboren. Der literarisch begabte, der politischen und gesellschaftlichen Situation seiner Zeit kritisch gegenüberstehende Mierendorff verkörperte eine gelungene Symbiose zwischen Geist und Politik. Mittelpunkt des „Darmstädter Kreises“, dem junge Intellektuelle und Schriftsteller aus der geistigen Elite der damaligen Zeit angehörten, gründete er im Winter 1918/1919 die radikale Zeitschrift „Das Tribunal“ als Forum für die, die den damaligen Umbruch in Deutschland als Aufbruch in eine neue gesellschaftliche und geistige Epoche empfanden.
Mierendorff trat 1920 der SPD bei und war Redakteur beim sozialdemokratischen „Hessischen Volksboten“ in Darmstadt. 1926 wurde er Sekretär der SPD-Reichstagsfraktion in Berlin und später von Wilhelm Leuschner zum Pressereferenten des Hessischen Innenministeriums berufen. 1930 wurde er für den Wahlkreis Hessen-Darmstadt in den Reichstag gewählt. Carlo Mierendorff gehörte zu den wenigen, die den Rechtsradikalismus, den aufkommenden Nationalsozialismus und den Antisemitismus als Gefahr für das Land erkannten. Als Mensch der Tat versuchte er dem gegenzusteuern, 1931 rechnete er im Reichstag in spektakulärer Weise mit Joseph Goebbels ab, der wieder einmal die Republikaner als Landesverräter verunglimpft hatte. Als offener Gegner des Nationalsozialismus wurde er am Abend des 13.6.1933 in einem Frankfurter Café verhaftet und für viereinhalb Jahre in die Konzentrationslager Osthofen, Börgermoor, Papenburg, Lichtenburg und Buchenwald gebracht. Seit Februar 1938 wieder frei, arbeitete er in Leipzig in einem Rüstungsbetrieb und im Anschluss in der Sozialabteilung der Braunkohle- und Benzin-AG Berlin. Er knüpfte Fäden zu Männern des sozialdemokratischen Widerstandes wie Emil Henk und Wilhelm Leuschner, darüber hinaus zu Adolf Reichwein um für ein Bündnis aller antifaschistischen Kräfte – über alle politischen und weltanschaulichen Gegensätze hinweg – zu werben. Er sah als Nahziel den Sturz des Regimes, stellte darüber hinaus aber auch Überlegungen an, wie ein zukünftiges Deutschland verfasst sein sollte.
Es gehört zur Tragik des deutschen Widerstandes, dass Mierendorff im Dezember 1943 einer Fliegerbombe auf Leipzig zum Opfer fiel. Sein Leichnam wurde nach Darmstadt überführt und im Grab der Eltern auf dem Waldfriedhof beigesetzt.

(Quelle: www.deutsche-biographie.de)