Wolfgangsweg

Dieser Bericht erschien am 9. August 2022 im "Dieburger Anzeiger".



Werner von Siemens

Der Wolfgangsweg, im Dieburger Westen gelegen, bekam seinen Namen nach dem in der Nähe befindlichen Wolfgangshäuschen, ebenso wie die Kirche Sankt Wolfgang und das Freizeitzentrum Wolfgangsee. Das Sankt Wolfgangs-Kapellchen wurde 1528 zum ersten Mal erwähnt und stand an der Alten Mainzer Landstraße. Nach Angaben von Dekan Ebersmann stiftete der Kaufmann Martin Eisele aus Dürrwang für diese kleine Kapelle ein silbernes Kreuz und zwei silberne Leuchter. Das Kreuz wurde von einer Magd etwa um 1800 gestohlen und in Frankfurt verkauft. 1913 ließ Bürgermeister Krausmann das Häuschen restaurieren und eine neue Statue des heiligen Wolfgang darin aufstellen. 1971 wurde das Wolfgangshäuschen beim Bau des Naherholungsgebietes Wolfgangsee abgebrochen. In unmittelbarer Nähe des alten Standorts wurde 1975 das neue eingeweiht.
Der wahrscheinliche Namensgeber Wolfgang war Bischof von Regensburg. Er wurde 924 im baden-württembergischen Pfullingen geboren und in der Klosterschule auf der Bodenseeinsel Reichenau erzogen. Ab 956 war er Lehrer und Leiter der Trierer Domschule. Einige Jahre später wurde er Benediktinermönch in Einsiedeln (Schweiz) und 968 zum Priester geweiht. In den nächsten Jahren zog er als Missionar durch Noricum (etwa das heutige Österreich). Wegen seines Erfolges wurde Wolfgang 972 auf Vorschlag des Passauer Bischofs und gegen den Willen von Kaiser Otto I. neuer Bischof von Regensburg.
Er reformierte die Klöster, gründete neue Stifte, förderte die Bildung des Klerus und kümmerte sich um die Armen und Kranken. Wegen seiner Freundlichkeit, Güte, Bescheidenheit und Heilkraft war er sehr beliebt und wurde wie ein Heiliger verehrt. Heiliggesprochen wurde Wolfgang allerdings erst 1052 durch Papst Leo IX. und gehörte später zu den bedeutendsten Heiligen des Mittelalters.
Während einer Reise entlang der Donau zu den Regensburger Besitzungen im Osten starb Wolfgang am 31. Oktober 994 in Österreich vor dem Altar einer Kirche. Der Legende nach wollten ihn viele Menschen beim Sterben sehen und er ließ ihnen Einlass gewähren, denn Sterben sei keine Schande. Man könne so bereits Erfahrungen für die eigene Todesstunde sammeln. Sein Leichnam ruht heute im Kloster Sankt Emmeram.
Viele Orte wurden nach Wolfgang benannt, so auch der österreichische Wolfgangsee, der früher Abersee hieß. Hier soll er während seiner Missionarszeit in einer Berghöhle gewohnt haben. Weil er immer wieder vom Teufel bedrängt wurde, soll er eine Axt ins Tal geworfen haben, um zu erfahren, wo er seine Kirche bauen soll. Deshalb zählt die Axt zu seinen Attributen. Wolfgang ist nicht nur der Patron von Bayern und Regensburg, sondern auch der Hirten, Schiffer, Zimmerleute, Köhler und der unschuldig Gefangenen.
„Ob das (Dieburger) Kapellchen allerdings seinen Namen von Sankt Wolfgang hat, ist nicht ganz sicher. Es könnte sein, dass ursprünglich an jener Stelle Wölfe ihren Wechsel hatten, die noch im 16. und 17. Jahrhundert in der Dieburger Mark häufig vorkamen“ (Ebersmann).
Übrigens: Der Name „Wolfgang“ heißt „Der zu den Wölfen (Heiden) geht“.

Quellen: Heimatverein Dieburg, Hrsg., Jahrbuch 2012, S, 24. https://www.dioezese-linz.at/heilige-zeiten/heiliger-wolfgang-von-regensburg Dieburg - Eine Chronik. Hrsg. Magistrat der Stadt Dieburg