Pater-Delp-Straße

Dieser Bericht erschien am 10. Mai 2022 im "Dieburger Anzeiger".



Pater Delp

Die Pater-Delp-Straße beginnt hinter dem Feuerwehrgelände (Beethovenstraße) und verlauft in südlicher Richtung parallel zur Kettelerstraße.
Pater Alfred Delp wurde am 15. September 1907 als ältestes von 6 Kindern in Lampertheim geboren. Er wurde 192I gefirmt und bekam dadurch engen Kontakt mit dem damaligen Pfarrer Unger. Der erkannte die überdurchschnittliche Intelligenz Delps und bereitete ihn für den Besuch des Gymnasiums vor. Auf Ungers Empfehlung kam Alfred Delp an Ostern 1922 in das Bischöfliche Konvikt nach Dieburg, er bestand die Aufnahmeprüfung für die Obertertia (5. Klassenstufe) des humanistischen Gymnasiums, übersprang auf Grund seiner vorzüglichen Leistungen die Untersekunda (6 Klassenstufe) und bestand 1926 sein Abitur als Klassenprimus. Bereits während der Schulzeit war für Delp klar. dass er sein Leben in den Dienst Gottes stellen will. Seine Lebensaufgabe beschreibt er in seiner Meditation „Von den Bedingungen der wahren Freude" im Kapitel V wie folgt: „Der Mensch wird gesund durch die Ordnung Gottes und in der Nähe Gottes. Hier wird er auch freudefähig und froh. Die Ordnung Gottes herstellen und Gottes Nähe verkünden und lehren und anderen bringen: Das ist es, was mein Leben meint und will und dem es zugeschworen ist und bleibt".
Ein Mitschüler Delps, der spätere Lehrer Josef Kern, schreibt über ihn: ,,Keiner in der Klasse hat mehr gelacht und war freudiger gestimmt als Alfred Delp. Ist es deshalb zu verwundern, wenn er sich zum Thema seines Lebens gestellt hat: Die wahre Lebensfreude zu verkünden, zu lehren und anderen zu bringen, seine Mitmenschen an die wahre Freudenquelle zu führen? Hier in Dieburg wirkte er in diesem Sinne besonders in der damaligen sehr rührigen gymnasialen Schülergruppierung „Neu-Deutschland" am Bischöflichen Konvikt. Er war der Motor. Er schöpfte aus dem Vollen; er konnte begeistern, mitreißen und überzeugen. Er war immer froher Dinge und quicklebendig, und diese Lebensfreude strömte auch auf seine Umgebung aus."
Ein weiterer Charakterzug Alfred Delps war seine Hilfsbereitschaft. Geprägt vom Familienleben als ältestes von 6 Kindern eines kleinen Ortskassenbeamten unterstützte er seine Mitschüler bei allen schulischen Belangen. Sein im Elternhaus grundgelegtes soziales Empfinden wurde genährt durch seine Religiosität. Die beiden Grundelemente des wahren christlichen Lebens - die Gottesliebe und die Nächstenliebe - besaß und lebte Alfred Delp bereits während seiner Dieburger Schulzeit.
Nach dem Abitur (1926) trat er in den Jesuitenorden ein; nach seinem 2- jährigen Noviziat studierte er Philosophie in Pullach und Theologie in Valkenburg/Holland und erhielt am 24. Juni 1937 seine Priesterweihe in Frankfurt / St Georgen.
Schon während seiner Studienzeit zeigte sich, dass Delp ein ungewöhnlich trefflicher Kritiker seiner Zeit mit all ihren philosophischen, sozialen und politischen Strömungen war. Innerhalb des Ordens wurde er deshalb zur Mitarbeit als Soziologe für die Zeitschrift „Stimmen der Zeit“ herangezogen. Seine Bitte um die Immatrikulations- und Promotionserlaubnis im Fach Soziologie an der Universität München wurde 1939 vom nationalsozialistischen Bayerischen Staatsministerium „gemäß dem Standpunkt der Universitätsbehörden" abgelehnt.
Im Mai 1941 wird die Zeitschrift verboten, der Arbeitssitz in München aufgelöst und das gesamte Material beschlagnahmt.
Alfred Delp wird Seelsorger der Heilig-Blut-Pfarrei in München-Bogenhausen und es war bald bekannt, dass man in der Bogenhausener Kirche recht offene und kritische Worte hören konnte.
Im Frühjahr 1942 bat Graf von Moltke den Jesuitenprovinzial Pater Rösch, ihm einen Soziologen zur Verfügung zu stellen, der im ,,Kreisauer Kreis" - genannt nach Moltkes schlesischem Gut Kreisau - an dem Entwurf einer christlichen Sozialordnung mitarbeiten wolle. Diese geheime Arbeitsgemeinschaft setzte sich aus Konservativen, Sozialdemokraten und Vertretern beider Konfessionen zusammen. Sie wollten den Aufbau einer neuen Sozialordnung vorbereiten nach dem zu erwartenden Zusammenbruch der Hitlerdiktatur. Pater Delp sollte den Standpunkt der katholischen Kirche zur sozialen Frage darlegen. Die protestantische Seite war durch den Theologen Dr. Eugen Gerstenmaier, dem späteren Bundestagspräsidenten, vertreten. Gerstenmaier hatte damals seine Dozentur an der Berliner Universität wegen seiner öffentlichen Kritik am Nationalsozialismus verloren.
Am 28. Juli 1944 wurde Pater Delp nach der Heiligen Messe von zwei Männern verhaftet, die in der Kirche auf ihn gewartet hatten. Graf von Moltke war schon seit Januar inhaftiert. Man klagte die Männer des Kreisauer Kreises wegen Hochverrates an, weil sie mit der Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs des Hitlerregimes rechneten und Pläne zu einer neuen gesellschaftlichen Struktur Deutschlands auf christlicher Grundlage ausgearbeitet hatten.
Pater Delp erlebte und erleidete sechs Monate lang Folter und Qualen. Aber er schaffte es, Briefe, Tagebuchblätter, Meditationen und Abhandlungen mit gefesselten Händen zu schreiben. Ein Mitbruder hat Delps Schriften unter dem Titel „Im Angesicht des Todes" zusammengefasst.
Zu den wenigen Besuchern Delps gehörte sein ehemaliger Dieburger Klassenkamerad Dr. Hans Steinmetz, den man wegen des Verdachts der Geheimnisträgerei ebenfalls einige Wochen inhaftiert hatte.
Am 2. Februar 1945 wurde Pater Alfred Delp im Morgengrauen am Galgen in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Von dem Gefängnisseelsorger Pfarrer Buchholz wissen wir, dass Delp „ungebrochen in seiner inneren und äußeren Haltung" vor den Henker getreten ist mit einem „überlegenen Lächeln auf den Lippen" und den Worten: „In einer halben Stunde weiß ich mehr als Sie!"
Das sollen die letzten Worte Alfred Delps gewesen sein.
Am 15. Februar 1945 erhielt die Mutter von Alfred Delp die amtliche Nachricht von der Vollstreckung des Todesurteils und dem Verbot, eine Todesanzeige zu veröffentlichen.
Die Schriften von Alfred Delp haben auch heute noch nichts an Aktualität verloren. Beim Berliner ,,Sankt Michaelisempfang" im September 2021, bei dem auch Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble anwesend waren, bezog sich Bischof Georg Bätzing auf Pater Delp. Dieser hatte während seiner Haft in prophetischer Weitsicht beim Nachdenken über „Das Schicksal der Kirchen" vier Weckrufe formuliert. Bätzing will sich diesen Umkehr-Anforderungen stellen.

Quellenangaben:: l ). Mitteilungen des Vereins der ehemaligen Schüler und der Freunde der Höheren Schule Dieburg/ Nr. 4 1957/58 2.) 100 Jahre Stadtpfarrei St. Peter und Paul Dieburg (S. 18)